Göttingen 10.08.2011

Erneut ist es der Göttinger Patentverwertungsagentur MBM ScienceBridge GmbH gelungen, einen Lizenzvertrag über Antikörper-produzierende Zelllinien mit einem international agierenden Unternehmen – dem Schweizer Pharmaunternehmen F. Hoffmann-La Roche Ltd. - abzuschließen. Die Zelllinien stammen aus der Forschung der Immunologischen Abteilung der Göttinger Universitätsmedizin und sind ein weiteres Beispiel für eine erfolgreiche kommerzielle Verwertung von Forschungsmaterialien aus der Antikörperforschung.

Die Wissenschaftler um Prof. Martin Oppermann aus der Abteilung Immunologie der Georg-August-Universität Göttingen beschäftigen sich vor allem mit den physiologischen und pathologischen Funktionen des Komplementsystems, ein wesentlicher Bestandteil der körpereigenen Immunabwehr und haben eine Vielzahl monoklonale Antikörper und Zelllinien gegen Faktoren des Komplementsytems in den letzten Jahren entwickelt, die zu Forschungszwecken eingesetzt werden, aber auch Einsatzmöglichkeiten in der Entwicklung von diagnostischen Tests und therapeutischen Lösungen finden.

Die Firma Roche hat nun zur Entwicklung und Kommerzialisierung eines immunologischen Nachweisverfahrens zur Komplementfaktor-H-Bestimmung mehrere Zelllinien aus der Abteilung Immunologie einlizenziert. Dieses diagnostische Verfahren, ein sogenannter ELISA-Kit (immunologisches Nachweisverfahren mithilfe einer enzymatischen Reaktion), soll gezielt zur quantitativen Komplementfaktor H-Bestimmung im Blut eingesetzt werden. Dafür erhält die Universitätsmedizin einen sechsstelligen Betrag als Einmalzahlung und wird über einen Zeitraum von 20 Jahren am Umsatz, den Roche mit den ELISA-Verkäufen erzielt, beteiligt.

Das körpereigene Komplementsystem hat starke zellzerstörende Eigenschaften, sobald es nicht reguliert werden kann. Der Komplementfaktor H ist ein entscheidender Negativregulator, der einem Überschießen der kaskadenartigen Komplementaktivierung entgegen wirkt. Fehlt es dagegen z.B. aufgrund einer Mutation Faktor H, kann es zu einer unkontrollierten Aktivierung des Komplementsystems kommen, was starke Schäden anrichten kann. Chronische Nierenkrankheit (Membranoproliferative Glomerulonephritis Typ II) oder auch Sehstörungen  können die Folge sein.

F. Hoffmann-La Roche Ltd. mit Hauptsitz im schweizerischen Basel ist ein führendes, forschungsorientiertes Gesundheitsunternehmen auf den Geschäftsfeldern Pharma und Diagnostics. Als weltweit größtes Biotech-Unternehmen entwickelt Roche klinisch differenzierte Medikamente für die Onkologie, Virologie, Entzündungs- und Stoffwechselkrankheiten und Erkrankungen des Zentralnervensystems. Roche, ein Pionier im Diabetesmanagement, ist auch der weltweit bedeutendste Anbieter von In-vitro-Diagnostik und gewebebasierten Krebstests.

Die Universitätsmedizin der Exzellenzuniversität Georg-August-Universität Göttingen umfasst die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum Göttingen. Sie ist eine der führenden Ausbildungs- und Forschungsstätten für Ärzte in Deutschland und Europa.

Die MBM ScienceBridge GmbH kommerzialisiert akademische Erfindungen und Forschungsmaterialien. Dafür agiert sie für insgesamt neun niedersächsische Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen als Mittler zwischen Erfindern, Patentanwälten und Industriepartnern. Das aktuelle Portfolio enthält innovative Projekte aus den Bereichen der Medizintechnik, Biotechnologie, Messtechnik, Chemie, Physik sowie den Forst- und Agrarwissenschaften.

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